|
Peesten |
| Das 260 Einwohner zählende Dorf am Fuße des Görauer Anger gehört zum Markt Kasendorf. (Siehe dort weitere Beschreibung des Ortes Peesten "Untere Ortsteile"). |
GeschichteErstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1294. Die Deutung des wohl ältesten Ortsnamen "Pyesß" (altslawisch = "pesuku - Sand") lässt jedoch auf eine wesentlich ältere Siedlung schließen. Eine Nachsiedlung aus dem späten 15. Jhd. ist der zu Peesten gehörende Ortsteil Dörnhof, erstmals urkundlich erwähnt 1492. Die Geschicke des Ortes Peesten sind eng verbunden mit den Namen zweier Adelsgeschlechter:
Foertsch und von Giech. Ritterliche Dienstleute
(militares) von Besthen der Foertsche von Thurnau weisen 1294 zum ersten Mal urkundlich auf den Ort hin. Im Jahre 1373 empfingen Foertsche
"daz Beste", das sie von den v. Waldenfels gekauft hatten. Im Landbuch der Herrschaft Plassenburg von 1398 wird Peesten als burggräfliches Lehen der Foertsche bezeichnet. Das Erbe ging an eine Tochter des verstorbenen Wolf Foertsch von Thurnau, Barbara, Ehefrau des Hans Georg von Giech zu Buchau. Die ehemals vorhandenen beiden Rittersitze in Peesten waren im Markgrafenkrieg 1553/54 zerstört worden. Der Hauptwohnsitz der Giech'schen Familie wurde ab 1565 das Schloss in Thurnau. Not und Elend brachte der 30-jährige Krieg (1618 - 48) für Peesten und seine Umgebung: Truppendurchzüge, Plünderungen, Einquartierungen und nicht zuletzt die Pest, die allein 1634 103 Personen dahinraffte, hinzu kam eine Wolfsplage, die über den Krieg hinaus noch anhielt. Am Platz des einen Rittersitzes wurde die spätere Tanzlinde gepflanzt. 1725 entstand an der Stelle des anderen Rittersitzes das heute noch vorhanden "Schloss", ein Sandsteinquaderbau mit Doppelwalmdach, Mansarde und 19 Dachgauben. Als "Amtshaus" geführt, diente es in erster Linie als Jagdschlösschen. Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr es vielfach anderweitige Nutzung: Im deutsch/französischen Krieg 1870/71 als Privatspital für verwundete Soldaten, während der Kirchenrenovierung 1873/74 wurden zwei Räume für gottesdienstliche Zwecke verwendet. Beim Neubau des gegenüber liegenden Schulhauses im Jahre 1895 wurde im Schloss Schulunterricht abgehalten. Über Jahrzehnte hatte die Familie des gräflichen Forstwarts Modschiedler hier ihre Wohnung. Nach dem 2. Weltkrieg waren 6 Flüchtlingsfamilien in den 12 Schlossräumen untergebracht. Im Jahr 1980 wurde das Gebäude samt 2000 qm Gartenfläche an einen Berliner Geschäftsmann verkauft, der das heruntergekommene Gebäude gründlich renovieren ließ, so dass es heute zu einem Kleinod im Ortsbild geworden ist. Unter Christian Friedrich Carl von Giech (Regierungszeit 1748 - 1797) entstand der
Schlossgarten nach französischem Vorbild. Ein in Süd-Nordrichtung verlaufender Hauptweg führte am Schloss vorbei direkt auf die Linde zu. Die Wege waren von Hecken, Bäumen und Sträuchern gesäumt, In den zwei Hauptkreuzungspunkten der Wege waren runde Wasserbassins aus Sandstein eingelassen. An der Südseite des Gartens befand sich ein 7 m tiefer Brunnen, von dem aus die Becken mit Wasser versorgt wurden. Wenn die Herrschaft kam, wurde das Wasser aus dem Brunnen im Stall der Gärtnerwohnung zu den Springbrunnen der Bassins gepumpt.
1754 wurden in Peesten durch Brandstiftung 22 Gebäude in Schutt und Asche gelegt. Die Brandstifter, Anna Barbara Dennstädt und ihr Sohn Johann Wolfgang, wurden zum Tode verurteilt. Ihre Hinrichtung erfolgte am 24. Oktober 1755 in Thurnau durch Enthaupten und Verbrennen. Diese Hinrichtungen waren die letzten, die in Thurnau vollzogen wurden. Während der napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts hatte der Ort Peesten viel zu leiden unter französischen Einquartierungen. Der damalige Ortsvorstand Johann Hahn, führte darüber genau Buch: "Peesten, am 25. Mai 1822 wurde in unserem Kirchturm eine neue Helmstange angemacht durch den Zimmergesell Johann Kraft von hier, welches ich als unterzeichneter Ortsvorstand ihm zum Andenken unsern Nachkommen bekannt machen will, und die Kriegsumlagen, was mir vor eine Zeit erlebt haben, die will ich unsern Nachkommen zu wissen thun, was ihre Voreltern für Kriegszeiten und Jammer für den französischen Mölitär ausgestanden haben. Das Fürstenthum Bayreuth war den preußischen Staaten unterworfen. Da hob sich ein Krieg empor Anno 1806 im Monat Oktober... Es war die erste Einquartierung im Monat Dezember 1807. Da hatten wir in unsrer Gemeinde von dem 8. bis 19. Dezember 589 Mann Würzburger, Hessen und Darmstädter Truppen ..." Die Einquartierungen dauerten bis 1812 an, insgesamt musste der kleine Ort mit knapp 50 Häusern 9323 Mann und oft genauso viele Pferde über diese Jahre hinweg versorgen und beherbergen, hauptsächlich Franzosen, auch Russen, welche nach Johann Hahn "doch die allerschlimmsten gewesen sind". Gegenwart Die ehemalige Gemeinde Peesten mit den Ortsteilen Peesten, Dörnhof und Lichtentanne wurde bei der Gebietsreform 1976 der Marktgemeinde Kasendorf zugeordnet. Um die Wende der fünfziger/sechziger Jahre wurde Peesten im Kreiswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" mehrmals Kreissieger und 1960 sogar Bezirkssieger von Oberfranken. Als eines der acht schönsten bayerischen Dörfer erhielt es damals die Ehrenurkunde des Bundespräsidenten. Im Jahr 1999 wurde Peesten erneut Kreissieger bei dem Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden - unser Dorf hat Zukunft".
Eine rege Vereinstätigkeit und Engagement für das Gemeinwesen trugen zu dieser Auszeichnung bei. |